50 Jahre Neunkirchen-Seelscheid

 

Wussten Sie, dass die Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid am 1. August 2019 ihr 50 jähriges Jubiläum feiert?

Wir möchten Sie mitnehmen auf einen Streifzug durch die Gemeindegeschichte und stellen Ihnen anhand von regelmäßigen Kurzbeiträgen verschiedene Themen vor: 

 

Die kommunale Neugliederung

Im Zuge der Kommunalreform Mitte der 60er Jahre sollten Kommunen in Nordrhein–Westfalen zu größeren Einheiten zusammengelegt und dadurch effektiver gemacht werden. Die eigenständigen Gemeinden Neunkirchen und Seelscheid haben sich nach längeren Beratungen im Jahr 1969 freiwillig zur Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid zusammengeschlossen.

Die einstimmigen Beschlüsse hierzu erfolgten am 7. Mai 1968 im Gemeinderat Neunkirchen sowie am 9. Mai 1968 im Gemeinderat Seelscheid und wurden abschließend am 10. Mai 1968 von der damaligen Amtsvertretung Neunkirchen einstimmig genehmigt.

Das Gesetz zur kommunalen Neugliederung vom 10. Juni 1969 sollte dann am 1. Juli 1969 in Kraft treten. Der Landkreis Bonn, die ehemaligen Städte Godesberg und Beuel, die Gemeinde Duisdorf, Wahlscheid, Oberpleis und Uckerath legten jedoch Verfassungsbeschwerde gegen die Neugliederung im Raum Bonn beim Verfassungsgerichtshof in Münster ein. Auf Grund dessen wurde die zum 1. Juli vom Land Nordrhein–Westfalen beschlossene Neuordnung durch das Münsteraner Gericht zunächst einmal bis zum 1. August 1969 ausgesetzt, um die Rechtslage prüfen zu können. Der Verfassungsgerichtshof in Münster entschied dann, dass die Neuordnung Stadt Bonn und Rhein-Sieg-Kreis am 1. August in Kraft treten konnte, weil die Einsprüche nicht ausreichten, um die kommunale Neugliederung in diesem Raum weiter auszusetzen.

Somit trat das Gebietsänderungsgesetz erst zum 1. August 1969 in Kraft und war zugleich die Geburtsstunde der Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid.

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Kommunale Spitzenfunktionen der Gemeinde seit 1969

Bis 1994 bestand in allen NRW-Kommunen eine Aufteilung der Spitzenfunktionen einer Gemeinde auf zwei Personen: den hauptamtlichen Gemeinde- oder Stadtdirektor  und den ehrenamtlichen Bürgermeister. Dieses System war nach dem 2. Weltkrieg 1946 von den Briten in ihrer Besatzungszone eingeführt worden. Es wurde auch als "kommunale Doppelspitze" bezeichnet.

Der Gemeinde- bzw. Stadtdirektor war Chef der Verwaltung und Vertreter der Kommune in allen Rechts- und Verwaltungsangelegenheiten. Er musste nachweisbar für seine Aufgabe fachlich qualifiziert sein und eine ausreichende berufliche Erfahrung mitbringen. Er wurde vom Rat der Stadt auf acht Jahre gewählt, durfte aber selbst kein Ratsmitglied sein.

Der ehrenamtliche Bürgermeister dagegen wurde aus der Mitte des Rates für die Dauer der Ratswahlperiode, also fünf Jahre, gewählt. Er musste Ratsmitglied sein. Wie jedes andere Ratsmitglied war er nebenamtlich tätig, er hatte also neben dem Ratsmandat i.d.R. einen normalen Beruf. Aufgabe des Bürgermeisters war der Vorsitz im Rat und im Hauptausschuss sowie politische Repräsentationstätigkeit für den Rat.

Nach der Kommunalwahl vom 09.11.1969, in der die CDU in Neunkirchen-Seelscheid mit 52,35 % der Stimmen die absolute Mehrheit errang, konstituierte sich am 24.11.1969 im „Hotel Kurfürst“ der neue Gemeinderat, der Josef Knecht (CDU) zum Bürgermeister und Josef Ludwig zum Gemeindedirektor wählte.

1971 feierte Josef Knecht sein 25 jähriges Dienstjubiläum als Ratsvorsitzender und Bürgermeister. Er war bereits seit 04.10.1946 Bürgermeister der Gemeinde Neunkirchen und des Amtsbezirkes Neunkirchen. Aus diesem Anlass kam der damalige Bundestagspräsident Kai Uwe von Hassel mit dem Hubschrauber nach Neunkirchen, um Josef Knecht zu seinem Dienstjubiläum zu gratulieren.

Vom  20.05.1975 folgte ihm Alois Schmitz (ebenfalls CDU) als ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid, bis er am 17.10.1984 von Peter Pfundner (SPD) abgelöst wurde. 10 Jahre war Peter Pfundner für die Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid als ehrenamtlicher Bürgermeister tätig. Vom 10.11.1994 bis 30.09.1999 übernahm mit Susanne Heimerzheim (CDU) erstmalig eine Frau die Aufgabe als ehrenamtliche Bürgermeisterin.

Josef Ludwig beendete zum 31.03.1984 seine Tätigkeit als Gemeindedirektor. Als Nachfolger wurde Rüdiger Nollmann (FDP) für die Zeit vom 01.04.1984 bis 31.03.1992  zum Gemeindedirektor gewählt. Ihm folgte vom 01.04.1992 bis zum 30.09.1999 Rolf Stapmanns (FDP) als Gemeindedirektor. 

Mit dem Änderungsgesetz zur Kommunalverfassung von 1994 wurde vom nordrhein-westfälischen Gesetzgeber festgelegt, dass die bisherige Doppelspitze spätestens mit der Kommunalwahl 1999 abgeschafft und die Spitzenfunktionen mittels Direktwahl durch die Bürgerschaft auf eine Person, nämlich den hauptamtlichen Bürgermeister, übertragen werden.

Damit erhielt das Bürgermeisteramt eine neue Rolle als Bindeglied zwischen hauptamtlicher Verwaltung und Politik. Zugleich wurden auch die Mitwirkungsmöglichkeiten der Bürgerschaft gestärkt, da die Wählerinnen und Wähler zukünftig nicht nur die Mitglieder des Gemeinderates wählten, sondern auch direkt den Chef der Verwaltung und obersten Repräsentanten der Gemeinde.
In der Zeit bis zur Kommunalwahl 1999 stellte das Gesetz den kommunalen Räten frei, den Übergang zur neuen Kommunalverfassung durch Ratsbeschluss herbeizuführen und einen hauptamtlichen Bürgermeister zu wählen.

Der Bürgermeister neuer Art ist wie früher der Stadtdirektor hauptberuflich als kommunaler Wahlbeamter auf Zeit tätig, d.h. er darf keinen anderen Beruf neben dem Bürgermeisteramt haben. Außerdem darf er nicht Ratsmitglied sein, obwohl er Sitz und Stimme im Rat bekommt.

Zum 01.10.1999 wurde Helmut Meng (CDU)  zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister der Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid gewählt. Nach 15 Jahren löste ihn am 23.06.2014  Nicole Sander (SPD)  in dieser Funktion ab und wurde dadurch  erste  hauptamtliche Bürgermeisterin der Gemeinde.  

 

Einen umfassenden Bericht zur 50-jährigen Gemeindegeschichte finden Sie im kommenden Jahrbuch des Heimat- & Geschichtsvereines Neunkirchen-Seelscheid e.V., welches voraussichtlich im November 2019 vorgestellt wird.