Kunst im Museum, Museum als Kunst: Dies war am 24. Oktober das Motto der Museumsfahrt nach Wiesbaden. Der Vormittag stand im Zeichen der gerade erst eröffneten Ausstellung „Die blauen Reiterinnen“ im Museum Wiesbaden, einer Weltpremiere. In einer spannenden und inspirierenden kunsthistorischen Führung wurden der Gruppe die Werke von Erma Bossi, Sonia Delaunay-Terk, Emmi Dresler, Elisabeth Epstein, Elisabeth Erdmann-Macke, Maria Franck-Marc, Natalia Gontscharowa, Else Lasker-Schüler, Olga Meerson, Gabriele Münter, Carla Pohle und Marianne von Werefkin erläutert. Bis heute war es nahezu völlig unerforscht, welch großen Anteil die Frauen an der Entwicklung der Moderne hatten oder welche Strategien und Netzwerke sie nutzten, da sie bislang im Schatten ihrer prominenten Ehemänner und Kollegen standen. Diese Lücke schließt jetzt die aktuelle Werkschau des MuWi, die in Kooperation mit dem Paula-Modersohn-Becker-Museum in Bremen, dem Lenbachhaus in München und dem Museo Comunale d'Arte Moderna in Ascona entstand und noch bis Februar 2027 zu sehen sein wird, bevor sie in die Partnermuseen weiterzieht. Der Besuch der Ausstellung war eine wunderbare Ergänzung zur Themenfahrt „Beim Blauen Reiter im blauen Land“ des Freundeskreises im Frühjahr, an der ein Großteil der Gruppe teilgenommen hatte.
Nach der Mittagspause ging es zum Museum Reinhard Ernst, das direkt nebenan liegt und von den Wiesbadnern wegen seines weiß glitzernden Granitkleides auch liebevoll Zuckerwürfel genannt wird. Es war die Idee des Unternehmers Reinhard Ernst der Stadt Wiesbaden einen Museumsneubau zu schenken, den sein langjähriger Freund, der japanischen Star-Architekt und Pritzker-Preisträger Fumihiko Maki entwarf und so einen „dritten Ort“ zu schaffen, einen Raum, der alle Menschen zur Beschäftigung mit Kunst einlädt. In einer spannenden Architekturführung wurde klar, dass das Museum nicht nur die Hülle für die ständige Sammlung moderner Kunst von Reinhard Ernst und Wechselausstellungen ist, sondern auch selbst mit seinen Lichtachsen, der Kathedrale als höchstem Raum bis hin zu den Wasserhähnen auf der Toilette ein Kunstobjekt ist. Dies führt allerdings auch dazu, dass es hier die ach so beliebten Museumshocker nicht gibt, würden sie doch neben den Design-Sitzbänken unpassend wirken.
Vormittags kann man das Museum nicht besuchen, da ist es ausschließlich für Schulklassen und Bildungseinrichtungen geöffnet. Eine tolle Idee, wie wir finden, um Kinder und Jugendliche mit Kunst vertraut zu machen.

